U-Boot U17 – Ein umfassender Guide für Ihren Besuch
Das U-Boot U17 ist eines der neuesten und faszinierendsten Exponate des Technik Museums Sinsheim. Als originales Kampf-U-Boot der Deutschen Marine bietet es Besuchern die einzigartige Möglichkeit, die enge Welt unter Wasser hautnah zu erleben und die Technik zu verstehen, die es ermöglichte, wochenlang unentdeckt in den Tiefen der Meere zu operieren.
Die Klasse 206A – Technische Meisterleistung
Die U-Boote der Klasse 206A waren die Hauptstütze der deutschen U-Boot-Flotte während des Kalten Krieges. Sie wurden speziell für den Einsatz in den flachen und akustisch schwierigen Gewässern der Ostsee konzipiert. Ihre besondere Stärke lag in ihrer extremen Laufruhe – sie galten als die leisesten konventionellen U-Boote ihrer Zeit und konnten von feindlichen Sonarsystemen kaum geortet werden.
Die Boote verfügten über einen diesel-elektrischen Antrieb. Über Wasser und im Schnorchelbetrieb trieben leistungsstarke Dieselmotoren das Boot an und luden gleichzeitig die Batterien auf. Unter Wasser wurde auf den geräuscharmen Elektromotor umgeschaltet, der das Boot nahezu lautlos durch das Wasser gleiten ließ.
Das Leben an Bord
22 Mann Besatzung lebten auf engstem Raum zusammen – oft wochenlang ohne Tageslicht zu sehen. Der Platz war so knapp bemessen, dass jeder Quadratzentimeter optimal genutzt werden musste. Die Kojen waren teilweise übereinander gestapelt, und persönliche Gegenstände beschränkten sich auf das Allernotwendigste.
Der Tagesablauf an Bord war streng reglementiert. Die Besatzung arbeitete in Wachschichten, um einen kontinuierlichen Betrieb des Bootes zu gewährleisten. Mahlzeiten wurden in der kleinen Messe eingenommen, wobei auch hier strenge Platzökonomie herrschte. Frische Lebensmittel waren nur zu Beginn einer Fahrt verfügbar; danach wurde auf Konserven und haltbare Nahrung umgestellt.
Die Bewaffnung
Das U-Boot U17 war mit acht Torpedorohren im Bug ausgestattet, die sowohl mit Torpedos als auch mit Seeminen bestückt werden konnten. Die verwendeten Torpedos vom Typ DM2A3 waren drahtgelenkt und konnten auch nach dem Abschuss noch gesteuert werden. Insgesamt konnte das Boot bis zu 16 Torpedos oder 24 Seeminen an Bord nehmen.
Bei der Besichtigung können Sie die Torpedorohre von innen sehen und einen Eindruck davon gewinnen, wie komplex und gefährlich der Umgang mit diesen Waffen war. Die Torpedos mussten unter beengten Verhältnissen gewartet, geladen und abgeschossen werden – eine Aufgabe, die höchste Konzentration und Teamarbeit erforderte.
Der Kommandostand
Das Herzstück des U-Boots ist der Kommandostand, auch Zentrale genannt. Hier liefen alle Informationen zusammen, und von hier aus wurde das Boot gesteuert. Das Periskop – das "Auge" des getauchten U-Boots – ermöglichte dem Kommandanten, die Oberfläche zu beobachten, ohne aufzutauchen. Moderne Sonarsysteme erfassten Geräusche in der Umgebung und konnten feindliche Schiffe identifizieren und lokalisieren.
Bei Ihrer Besichtigung können Sie den Kommandostand betreten und die verschiedenen Instrumente und Kontrollen betrachten. Stellen Sie sich vor, wie es gewesen sein muss, in angespannter Atmosphäre Entscheidungen zu treffen, die über Leben und Tod entscheiden konnten.
Der Maschinenraum
Im Heck des Bootes befindet sich der Maschinenraum mit den Dieselmotoren und Elektromotoren. Die Dieselmotoren leisteten zusammen über 1.800 PS und ermöglichten eine Geschwindigkeit von über 15 Knoten über Wasser. Der Elektromotor für die Unterwasserfahrt war mit etwa 1.500 PS etwas schwächer, reichte aber aus, um das Boot mit bis zu 17 Knoten durch das Wasser zu bewegen.
Die Batterien, die den Elektromotor speisten, waren unter den Fußböden des gesamten Bootes verteilt. Ihr Gewicht trug zur Stabilität des Bootes bei, aber sie waren auch eine potenzielle Gefahrenquelle – bei falscher Behandlung konnten sie explosive Gase entwickeln.
Der Transport – Eine logistische Meisterleistung
Der Transport des U-Boots von Eckernförde an der Ostsee nach Sinsheim im Binnenland war eine der größten Herausforderungen, die das Technik Museum je bewältigt hat. Das 48 Meter lange und 350 Tonnen schwere Boot musste über Hunderte von Kilometern transportiert werden – zunächst auf dem Wasserweg, dann über die Straße.
Die Reise begann mit einer Fahrt durch den Nord-Ostsee-Kanal. Von dort ging es die Elbe hinunter und über den Mittellandkanal und den Rhein bis nach Speyer. Brücken mussten passiert, Schleusen überwunden und enge Kurven gemeistert werden. An einigen Stellen war der Tiefgang des Transports so knapp, dass nur Zentimeter zwischen dem Kiel und dem Grund lagen.
Der letzte Teil der Reise führte über die Straße. Ein Spezialtransporter bewegte den Koloss durch die Nacht, wobei Straßenlaternen abmontiert und Verkehrsschilder umgelegt werden mussten. Zehntausende Schaulustige säumten die Strecke und machten den Transport zu einem regelrechten Volksfest.
Praktische Tipps für Ihren Besuch
Um Ihren Besuch des U-Boots U17 optimal zu gestalten, beachten Sie folgende Hinweise:
- Kleidung: Tragen Sie bequeme Kleidung und festes Schuhwerk. Die Räume sind eng, und Sie müssen durch Luken und über Schwellen steigen.
- Platzangst: Wenn Sie unter Platzangst leiden, sollten Sie von einer Besichtigung absehen. Die Räume sind sehr eng, und ein schneller Ausgang ist nicht möglich.
- Gepäck: Lassen Sie große Taschen und Rucksäcke draußen. In den engen Gängen ist kein Platz dafür.
- Kopf einziehen: Achten Sie auf die niedrigen Durchgänge. Viele Besucher stoßen sich den Kopf, weil sie die niedrigen Luken unterschätzen.
- Zeit einplanen: Nehmen Sie sich mindestens 30 Minuten Zeit für die Besichtigung. Es gibt viel zu sehen und zu verstehen.
U-Boot-Fans aufgepasst!
Im Schwestermuseum Speyer können Sie auch das U-Boot U9 besichtigen, das zur älteren Klasse 205 gehörte. Der Vergleich beider Boote zeigt eindrucksvoll die Entwicklung der deutschen U-Boot-Technologie.